Projekt „Dr. Friedrich Wilhelm Singer“ –
praktischer Arzt und Heimatforscher (1918-2003)

Projektlaufzeit:
01.04.2017 – 31.03.2019 in den Fichtelgebirgsmuseen (Standorte Wunsiedel und Bergnersreuth)

Projektleitung:
Dr. Sabine Zehentmeier-Lang, Museumsleitung Fichtelgebirgsmuseen

Projektbearbeitung:
Sindy Winkler, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Friedrich Wilhelm Singer

Im Jahre 2003 verstarb Dr. med. Friedrich Wilhelm Singer. Geboren wurde er 1918 am 18.6. in Arzberg, genauer gesagt „am Schacht“ im jetzigen Ortsteil Schlottenhof. Kein anderer hat wie er die Volkskunde des Fichtelgebirges, mit dem Schwerpunkt Sechsämterland erforscht, gesammelt, dokumentiert und in zahlreichen Veröffentlichungen bekannt gemacht. Die regionalgeschichtlichen Themen, die er auch anhand der von ihm gesammelten Objekte untersuchte waren vielfältig und umfassten die Bereiche Archäologie, Ortsgeschichte, Regionalgeschichte und allgemein die Kultur- und Handwerksgeschichte insbesondere die Alltagsgeschichte, das Brauchtum und die Mundart. Bereits zu Lebzeiten übereignete Dr. Singer von ihm gesammelte Objektbestände sowohl an das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel als auch an das Gerätemuseum Arzberg-Bergnersreuth. Im Januar 2017, nach dem Tode seiner Witwe, überließen nun die Nachfahren von Dr. Singer seine wissenschaftliche Bibliothek sowie seine noch im Hause befindlichen Objekte von regionalgeschichtlicher Bedeutung den Fichtelgebirgsmuseen, zum Zwecke der Aufbewahrung und Bearbeitung. Diese finden sich vielfach auch in den von Dr. Singer veröffentlichten Aufsätzen oder Publikationen wieder. Die Anzahl der Altobjekte beläuft sich auf etwa 1500, der Neuzugang an Objekten auf 150 aus den Bereichen Möbel, Kunsthandwerk, Keramik, Zinn, Porzellan, Religion und Medizingeschichte vom 17. bis 20. Jahrhundert. Das Projekt zur Erforschung der Arbeiten und gesammelten Objekte des Dr. Friedrich Wilhelm Singer gibt den Fichtelgebirgsmuseen, als Regionalmuseen die Möglichkeit, neue und vertiefte wissenschaftliche Erkenntnisse zu regionalgeschichtlichen Themen wie Vor- und Frühgeschichte, Sachkultur, Dialekt und Brauchtum erlangen indem Dr. F. W. Singer, als herausragende Persönlichkeit der Heimatforschung des 20. Jahrhunderts im Fichtelgebirge, mit weitreichender überregionaler Bedeutung, seine Sammlung aufgearbeitet und der Öffentlichkeit wie auch Forschung zugänglich gemacht wird. Dies geschieht einerseits durch die erstmalige wissenschaftliche und digitale Erfassung und Dokumentation der kompletten Sammlung, andererseits durch die Aufarbeitung seiner wissenschaftlichen Korrespondenz. Weitere neue Erkenntnisse bieten zahlreiche Manuskripte und Aufzeichnungen, die aus der Hand Dr. Singers stammen und dem Museum von seinen Nachfahren überlassen wurden. Anhand der Dokumente wird zudem eine Gesamtbibliographie der Werke Dr. Singers erstellt werden.

Zum 100. Geburtstag des Heimatforschers wird eine Ausstellung an den beiden Standorten Wunsiedel und Arzberg-Bergnersreuth, mit Objekten aus der Sammlung, die erstmals gezeigt werden, konzipiert. Die Ausstellung läuft vom 02.06.2018 – 03.02.2019. Anfang 2019 findet zudem ein wissenschaftliches Symposium zur Heimatgeschichte, mit aktuell tätigen Heimatforschern und Wissenschaftlern statt, die auf die Arbeit von Dr. Singer aufbauen oder neue, aktuelle Aspekte im Bereich der Heimatforschung einbringen.

Das Projekt wird gefördert durch den Bayerischen Kulturfonds und die Oberfrankenstiftung.

Zur Person des Heimatforschers Dr. Friedrich Wilhelm Singer

  • 1918 geboren in Arzberg „am Schacht“, im jetzigen Ortsteil Schlottenhof
  • 1939 Studium der Medizin an der Universität Wien
  • 1943 Promotion an der Karls-Universität Prag
  • 1948 Veröffentlichung des ersten grundlegenden geschichtlichen Werkes:
  • „Das Gesundheitswesen in Alt-Eger – Medizingeschichtliche Leistungen einer Freien Reichsstadt“
  • 1945 bis 1950 Assistenzarzt am Krankenhaus Marktredwitz
  • Seit 1950 Praktischer Arzt in Arzberg, wo er mehr als dreißig Jahre praktizierte;
  • 2003 verstorben in Weiden

Neben seinem Beruf als Allgemeinmediziner betätigte sich Dr. Singer als Heimatforscher, Volkskundler, Vor- und Frühgeschichtsforscher, Sprachforscher, Archivpfleger und Herausgeber heimatkundlicher Schriften. Im „Sechsämterland“ fanden sich mehr als 600 Beiträge aus seiner Feder. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Monographien und eine große Zahl von Beiträgen in den verschiedensten Periodika, wie dem Archiv für Geschichte von Oberfranken, dem Siebenstern, der Kulturwarte, der Oberpfälzer Heimat und dem Heimatkalender für Oberfranken.

Für seine breitgefächerte Tätigkeit wurde Singer mit einer Reihe von Ehrungen bedacht:

  • 1965 Mitglied bei der „Gesellschaft für fränkische Geschichte“
  • 1975 Ernennung zum Ehrenmitglied des Historischen Vereins für Oberfranken
  • 1982 erhält er die „Medaille für vorbildliche Heimatpflege“ des Bayerischen Landesverein für Heimatpflege
  • 1988 erhält er den Kulturpreis des Fichtelgebirgsvereins