Guten Morgen!
Wir freuen uns sehr, dass Sie unseren Internetauftritt besuchen. Sie erfahren hier Interessantes über das Fichtelgebirgsmuseum und erhalten Informationen über aktuelle Sonderausstellungen. Wir halten Sie auch über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden und berichten von Ereignissen und Veranstaltungen in unserem Hause.
Viel Spaß und eine gute Zeit wünscht Ihnen
Ihr Museumsteam
Glanz & Gloria –
Weihnachten in
der Kaiserzeit
Gold, Flitter und Engelshaar statt Feldgrau, Eisen und Stacheldraht. Gerade im Ersten Weltkrieg sehnten sich deutsche Familien nach ein wenig „Glanz und Gloria“ in den eigenen vier Wänden. Schon im Kaiserreich war der Wandel des Weihnachtsfestes vom ursprünglich rein religiösen Fest hin zum profanen Familienfest deutlich, es wurde sogar als Mittel für politische Propaganda eingesetzt. Nachdem der Erste Weltkrieg nicht wie erwartet vor Weihnachten 1914 vorüber war, verstand es die „Oberste Heeresleitung“ Weihnachten zur psychologischen Kriegsführung zu nutzen. So fanden Weihnachtsfeiern mit geschmückten Lichterbäumen für die Soldaten an der Front statt, und auch in der Heimat schmückte das vornehme Bürgertum den Weihnachtsbaum in den Reichsfarben schwarz, weiß und rot, um schließlich im Kreise der Familie ein besinnliches Fest zu feiern. Wilhelm II., der den großen Auftritt liebte, wurde zur Kultfigur und sein Portrait fand sich auf Tellern, Karten oder Christbaumkugeln wieder.
Erfahren Sie hier mehr dazu...
KEB Vortrag: „Der Freiheit eine Gasse“
Der Attentäter aus Wunsiedel
Dr. Frieder Roblick berichtet über Carl Sand. Der Mörder von August von Kotzebue stirbt 1820 durch das Schwert.
Wunsiedel - "Er war eine tragische Figur des politischen Zeitgeschehens." So lautete das Fazit von Dr. Frieder Roblick bei seinem Vortrag im Fichtelgebirgsmuseum über Carl Ludwig Sand. Nur 25 Jahre alt wurde der 1795 in Wunsiedel geborene Mörder des Schriftstellers August von Kotzebue; am 20. Mai 1820 wurde Carl Ludwig Sand in Mannheim öffentlich hingerichtet. Er starb durch das Schwert.
Zweimal musste der Scharfrichter Wittmann zuschlagen um den Kopf Sands vom Rumpf zu trennen. Nach seiner Hinrichtung entwickelte sich ein ungeheuerer Kult um den Attentäter, der als freiheitsliebender Nationalheld vom Volk verehrt und geliebt und zum politischen Märtyrer hochstilisiert wurde. Augenzeugen der Hinrichtung stürzten aufs Schafott, um Andenken zu erhalten, Taschentücher wurden in sein Blut getaucht, der Richtplatz in "Sands Himmelsfahrtswiese" umbenannt. Wie es zu dem Attentat kam und was die Folgen waren, erläuterte Roblick in seinem Referat, bei dem es ihm besonders darauf ankam, die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe aufzuzeigen, das Umfeld des Carl Sand zu beleuchten und den Zeitgeist, aus dem heraus das Attentat möglicherweise erklärlich wird. Sein Elternhaus stand in Wunsiedel, gegenüber dem heutigen "Wunsiedler Hof" und wurde 1972 abgebrochen. Der Vater war Stadtrichter und seine Mutter stammte aus der vermögenden Kaufmannsfamilie Schöpf. Von seinem zehnten Lebensjahr an unterrichtete ihn Lehrer Saalfrank, erst am Lyzeum in Wunsiedel, dann in Hof und schließlich in Regensburg. Carl Sand begann 1814 sein Studium der Theologie in Tübingen, kam in Kontakt mit der Burschenschaft "Teutonia", zog 1815 freiwillig gegen Napoleon ins Feld, kehrte enttäuscht ohne Feindberührung zurück und immatrikulierte sich zunächst in Erlangen, später dann in Halle und Jena. Einen großen Einfluss auf den jungen Sand hatten die Burschenschaften mit ihren von der französischen Revolution stammenden Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, aber auch von nationaler Einheit.
Ernst Moritz Arndt, Theodor Körner, Turnvater Jahn prägten seine Anschauungen in denen sich nationale, religiöse, burschenschaftliche und demokratische Gedanken vermischen. Nach seiner Teilnahme beim sogenannten "Wartburgfest" im August 1817, bei dem Studenten den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und zugleich den 300. Jahrestag der Reformation begingen, reifte in Carl Sand der Entschluss "etwas für das Vaterland zu tun", um die Einheit voran zu bringen. Durch die von Jahn initiierte Bücherverbrennung, bei der von Kotzebues "Geschichte des Deutschen Reiches von dessen Ursprunge bis zu dessen Untergang" als "undeutsche Schrift" ein Opfer der Flammen wurde, wurde Sands Aufmerksamkeit auf den persönlichen Berichterstatter des russischen Zaren Alexander I und Herausgebers eines literarischen Wochenblattes gelenkt, das vor allem die Universitäten und Burschenschaften mit Hohn und Spott überzog.
Damit stand für Sand Kotzebue als Spion und Vaterlandsverräter fest, und der Mord an ihm wurde von langer Hand vorbereitet. Am 9. März 1819 brach Carl Sand von Jena nach Mannheim auf und erdolchte den Theaterdichter Kotzebue am 23. März in dessen Wohnung; einen zweiten Dolch richtete er gegen sich selbst und verletzte sich schwer. Er wurde ins Spital eingeliefert und operiert; seine Wunden heilten nicht und er verbrachte seine Gefangenschaft bis zu seiner Hinrichtung im Krankenbett.
Sands Attentat diente Metternich und den deutschen Fürsten als Rechtfertigung für die Unterdrückung der nationalen und liberalen Bewegung und war willkommener Anlass für die Karlsbader Beschlüsse mit Verbot der Burschenschaften, Zensur von Zeitungen und Druckschriften, Überwachung der Universitätsprofessoren.
Das geistige Leben wird eingeengt, aus dem "Fanal der Freiheit", das die Ermordung Kotzebues nach der Vorstellung Carl Sands sein sollte, wird ein System des geistigen Terrors und des Denunziantentums. "Es war das erste Mal, dass in Deutschland ein Mord aus politischer Überzeugung begangen wurde" sagte Roblick. Seine Ziele erreicht hatte der Attentäter damit nicht! Immerhin wurde hier der Täter zum Märtyrer; seine Geburtsstadt nannte eine Straße nach ihm. Eine "August v. Kotzebue-Straße" hingegen gibt es in der Sechsämterstadt bis heute nicht.
Text-Quelle: www.frankenpost.de
Wir freuen uns sehr, dass Sie unseren Internetauftritt besuchen. Sie erfahren hier Interessantes über das Fichtelgebirgsmuseum und erhalten Informationen über aktuelle Sonderausstellungen. Wir halten Sie auch über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden und berichten von Ereignissen und Veranstaltungen in unserem Hause.Viel Spaß und eine gute Zeit wünscht Ihnen
Ihr Museumsteam
Glanz & Gloria –Weihnachten in
der Kaiserzeit
Eine Ausstellung vom
19.11.2011-19.02.2012
Gold, Flitter und Engelshaar statt Feldgrau, Eisen und Stacheldraht. Gerade im Ersten Weltkrieg sehnten sich deutsche Familien nach ein wenig „Glanz und Gloria“ in den eigenen vier Wänden. Schon im Kaiserreich war der Wandel des Weihnachtsfestes vom ursprünglich rein religiösen Fest hin zum profanen Familienfest deutlich, es wurde sogar als Mittel für politische Propaganda eingesetzt. Nachdem der Erste Weltkrieg nicht wie erwartet vor Weihnachten 1914 vorüber war, verstand es die „Oberste Heeresleitung“ Weihnachten zur psychologischen Kriegsführung zu nutzen. So fanden Weihnachtsfeiern mit geschmückten Lichterbäumen für die Soldaten an der Front statt, und auch in der Heimat schmückte das vornehme Bürgertum den Weihnachtsbaum in den Reichsfarben schwarz, weiß und rot, um schließlich im Kreise der Familie ein besinnliches Fest zu feiern. Wilhelm II., der den großen Auftritt liebte, wurde zur Kultfigur und sein Portrait fand sich auf Tellern, Karten oder Christbaumkugeln wieder.
Erfahren Sie hier mehr dazu...
KEB Vortrag: „Der Freiheit eine Gasse“
Der Attentäter aus Wunsiedel
Dr. Frieder Roblick berichtet über Carl Sand. Der Mörder von August von Kotzebue stirbt 1820 durch das Schwert.
Wunsiedel - "Er war eine tragische Figur des politischen Zeitgeschehens." So lautete das Fazit von Dr. Frieder Roblick bei seinem Vortrag im Fichtelgebirgsmuseum über Carl Ludwig Sand. Nur 25 Jahre alt wurde der 1795 in Wunsiedel geborene Mörder des Schriftstellers August von Kotzebue; am 20. Mai 1820 wurde Carl Ludwig Sand in Mannheim öffentlich hingerichtet. Er starb durch das Schwert.
Zweimal musste der Scharfrichter Wittmann zuschlagen um den Kopf Sands vom Rumpf zu trennen. Nach seiner Hinrichtung entwickelte sich ein ungeheuerer Kult um den Attentäter, der als freiheitsliebender Nationalheld vom Volk verehrt und geliebt und zum politischen Märtyrer hochstilisiert wurde. Augenzeugen der Hinrichtung stürzten aufs Schafott, um Andenken zu erhalten, Taschentücher wurden in sein Blut getaucht, der Richtplatz in "Sands Himmelsfahrtswiese" umbenannt. Wie es zu dem Attentat kam und was die Folgen waren, erläuterte Roblick in seinem Referat, bei dem es ihm besonders darauf ankam, die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe aufzuzeigen, das Umfeld des Carl Sand zu beleuchten und den Zeitgeist, aus dem heraus das Attentat möglicherweise erklärlich wird. Sein Elternhaus stand in Wunsiedel, gegenüber dem heutigen "Wunsiedler Hof" und wurde 1972 abgebrochen. Der Vater war Stadtrichter und seine Mutter stammte aus der vermögenden Kaufmannsfamilie Schöpf. Von seinem zehnten Lebensjahr an unterrichtete ihn Lehrer Saalfrank, erst am Lyzeum in Wunsiedel, dann in Hof und schließlich in Regensburg. Carl Sand begann 1814 sein Studium der Theologie in Tübingen, kam in Kontakt mit der Burschenschaft "Teutonia", zog 1815 freiwillig gegen Napoleon ins Feld, kehrte enttäuscht ohne Feindberührung zurück und immatrikulierte sich zunächst in Erlangen, später dann in Halle und Jena. Einen großen Einfluss auf den jungen Sand hatten die Burschenschaften mit ihren von der französischen Revolution stammenden Ideen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, aber auch von nationaler Einheit.
Ernst Moritz Arndt, Theodor Körner, Turnvater Jahn prägten seine Anschauungen in denen sich nationale, religiöse, burschenschaftliche und demokratische Gedanken vermischen. Nach seiner Teilnahme beim sogenannten "Wartburgfest" im August 1817, bei dem Studenten den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig und zugleich den 300. Jahrestag der Reformation begingen, reifte in Carl Sand der Entschluss "etwas für das Vaterland zu tun", um die Einheit voran zu bringen. Durch die von Jahn initiierte Bücherverbrennung, bei der von Kotzebues "Geschichte des Deutschen Reiches von dessen Ursprunge bis zu dessen Untergang" als "undeutsche Schrift" ein Opfer der Flammen wurde, wurde Sands Aufmerksamkeit auf den persönlichen Berichterstatter des russischen Zaren Alexander I und Herausgebers eines literarischen Wochenblattes gelenkt, das vor allem die Universitäten und Burschenschaften mit Hohn und Spott überzog.Damit stand für Sand Kotzebue als Spion und Vaterlandsverräter fest, und der Mord an ihm wurde von langer Hand vorbereitet. Am 9. März 1819 brach Carl Sand von Jena nach Mannheim auf und erdolchte den Theaterdichter Kotzebue am 23. März in dessen Wohnung; einen zweiten Dolch richtete er gegen sich selbst und verletzte sich schwer. Er wurde ins Spital eingeliefert und operiert; seine Wunden heilten nicht und er verbrachte seine Gefangenschaft bis zu seiner Hinrichtung im Krankenbett.
Sands Attentat diente Metternich und den deutschen Fürsten als Rechtfertigung für die Unterdrückung der nationalen und liberalen Bewegung und war willkommener Anlass für die Karlsbader Beschlüsse mit Verbot der Burschenschaften, Zensur von Zeitungen und Druckschriften, Überwachung der Universitätsprofessoren.Das geistige Leben wird eingeengt, aus dem "Fanal der Freiheit", das die Ermordung Kotzebues nach der Vorstellung Carl Sands sein sollte, wird ein System des geistigen Terrors und des Denunziantentums. "Es war das erste Mal, dass in Deutschland ein Mord aus politischer Überzeugung begangen wurde" sagte Roblick. Seine Ziele erreicht hatte der Attentäter damit nicht! Immerhin wurde hier der Täter zum Märtyrer; seine Geburtsstadt nannte eine Straße nach ihm. Eine "August v. Kotzebue-Straße" hingegen gibt es in der Sechsämterstadt bis heute nicht.
Text-Quelle: www.frankenpost.de









